On the road: Nizza-Valensole und wieder zurück

Chateaus, atemberaubende Aussichten und Lavendelfelder. Die Provence bietet weitaus mehr als das. Von Nizza bis nach Valensole und wieder zurück mit dem Mietwagen. Ein Tagesausflug, der mir bis heute die Sprache verschlägt.


Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Werbung und Produktplatzierungen, die nicht gesponsert wurden. Es handelt sich um persönliche Empfehlungen und Erfahrungen.

Bonjour Cherie,

der alljährliche Nizza-Urlaub liegt knappe drei Wochen hinter uns, der Alltag hat mich längst wieder aufgesogen und der Herbst zieht langsam in Berlin ein. Was bleibt sind die Erinnerungen an einen wunderschönen Kurzurlaub und mein brauner Teint, der allmählich verblasst.

Zuhause ankommen

Ich möchte dir diesmal von einem Tagesausflug erzählen, den wir gemacht haben. Du kannst dir sicher denken mit wem ich unterwegs war – the one and only – mein Freund. Falls du es nicht weißt, wir fahren jedes Jahr seit 2014 erneut an die Côte ‘d’Azur. Es war damals unser erster Urlaub, den wir außerhalb Deutschlands verbracht haben. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Berlin wirkt dagegen trist auf mich, die Baguettes schmecken nicht und der Rosé? Oh, der schmeckt nur in Südfrankreich wie er schmecken soll. Klar, alles eine Sache der Wahrnehmung aber vielleicht warst du ebenfalls da unten und es geht dir genauso?

Abwechslung muss sein

In diesem Jahr sind wir bereits Mitte August nach Nizza geflogen. Hinzu kommt, dass wir erstmals nicht in einem Hotel gewohnt, sondern Airbnb ausprobiert haben und das nonplusultra war, dass wir uns einen Mietwagen mieteten. So viel Neues auf einmal, uff!

Unsere Wohnung befand sich direkt in der Altstadt, fast um die Ecke unseres Lieblingseisladens – must visit! Den Mietwagen haben wir von Deutschland aus im Internet bei Hertz gebucht. Im großen und ganzen war ich mit allem zufrieden aber darum soll es heute nicht gehen, sondern um DEN Tagesausflug.

Mein Lebenstraum – Bild im Lavendelfeld

Mein Traum ist es schon seit jeher, einmal im Lavendelfeld in der Provence zu stehen. Überall lila Felder und der Duft, von dem du fast ohnmächtig wirst. Weit und breit Lavendel, Berge und nichts als die Natur und ich. Am besten fährt man hierfür Richtung Valensole. Auf dem Weg dorthin kommt man an Lavendelfeldern vorbei und wenn man Valensole verlässt ebenfalls. Wie gesagt, man muss erstmal dort hinkommen. Da es keine direkte Zugverbindung gibt, mietet man bestenfalls einen Mietwagen.

Julie’s-Fakten

Lavendel wird in der Provence seit dem 17. Jahrhundert angebaut.

Neben Lavendel gibt es Lavandin. Lavandin wird seit den 1950er Jahren angebaut und sein Duft ist intensiver sowie die Blüten größer als die des ursprünglichen Lavendels. Die kleinen Duftsäckchen, die man überall erstehen kann, beinhalten Lavandin, weil man dafür weniger Rispen benötigt – günstiger in der Produktion natürlich!

Wer im Blütenmeer des Lavendel stehen und sich in den unwiderstehlichen Geruch umhüllen möchte, sollte den Ausflug Anfang/Mitte bis Anfang/Mitte August einplanen.

Blüte: von Anfang/Mitte Juni bis Anfang/Mitte August

Einmal von Nizza nach Valensole und wieder zurück

Nüchtern betrachtet könnte man die Strecke fast ausschließlich auf der Autobahn fahren. Hin, zurück, fertig. Ich vermute, dass die hardcore-instagram-hotspot-traveler das so machen, um DAS Foto zu bekommen. Mir ist es jedoch wichtig etwas zu sehen und man muss bedenken, dass man für die einzelnen Strecken MAUT bezahlen muss. Das kann teuer werden. Außerdem: Warum sollte man die lange Fahrt nicht nutzen, um weitere Highlights zu sehen?

Die MAUT kann sehr ins Geld gehen. Daher Landstraßen nutzen und nebenbei interessante Orte entdecken.

Kurzer Zwischenstop in Verdon

Der Weg aus Nizza dauerte nicht lange. Wir sagten der Stadt auf Wiedersehen und machten uns auf dem Weg nach Valensole. Wie gesagt, Autobahn allein ist nicht spannend. Deshalb dachte ich mir, könnte eine kleine Pause irgendwo auf dem Weg dorthin gar nicht schaden. Sobald man sich von der Küste entfernt, befindet man sich direkt in den Bergen. Als wäre man bereits Stunden unterwegs Richtung Norden. Vereinzelt fährt man durch Weinanbaugebiete, kleine süße Dörfer und dann ist man auch schon am Lac de Sainte Croix.

Zum Baden empfehlenswert: Lac de Sainte Croix. Glasklares Wasser, angenehm temperiert und keine Touristenmassen.

Rückwirkend betrachtet war der minimal zeitlich längere Fahrtweg über Landstraßen, vorbei am Lac de Sainte Croix, die beste Entscheidung. Unscheinbar auf der Karte aber atemberaubend in der Realität. Der Stausee liegt im regionalen Naturpark Verdon und es gibt viele Möglichkeiten dort zu campen. Das Wasser war so klar und funkelte im Sonnenlicht. Das nächste Mal möchte ich darin baden. Die grünen Berge drumherum gaben dem See den perfekten Rahmen einen Moment in Stille zu Verweilen und Staunen. Das einzige Geräusch waren die raschelnden Blätter der Bäume und selten vorbeifahrende Autos. Wow, ich konnte den Blick kaum abwenden und musste zusehen, dass mein Kiefer vor Bewunderung nicht einrastet und ich von nun an mit geöffnetem Mund durch die Welt gehen muss. Sähe bestimmt merkwürdig aus, haha!

Die Serpentinen vorher haben es angedeutet – da muss sich etwas beeindruckendes verbergen. Wie einst auf Teneriffa, als wir hoch zum Teide gefahren sind.  Nichtdestotrotz haben wir ein anderes Ziel: Valensole.

Lavendelhonig und Valensole

Nachdem wir uns spontan dazu entschieden hatten am Straßenrand anzuhalten, um wenigstens mit der Zehenspitze im Wasser gewesen zu sein, sind wir weitergefahren. Mit dem schönen See im Rücken, ging es nach Valensole. Nach etlichen Serpentinen-Schleifen war es soweit: Lavendelfelder! Doch irgendwas stimmt hier nicht. Der Geruch sagt, dass hier Lavendel (oder Lavandin) wächst aber die Sträucher haben die Größe von Erdbeerpflanzen. Meine Befürchtung fühlte sich halb bestätigt – wir waren zu spät dran! Wir fuhren solange bis wir am Straßenrand einen kleinen Parkplatz fanden, wo ein kleiner Stand aufgebaut war, vergleichbar mit unseren saisonalen Erdbeer- oder Spargelverkäufern. Daneben stand eine große Halle und direkt nebenan befand sich ein Feld, in dem der Lavendel zwar klein aber vorhanden war. Ich gab die Hoffnung noch nicht auf. Wenn hier etwas wächst, dann ist es vielleicht doch nicht zu spät? Bevor es weiterging, kauften wir uns Lavendelhonig von Marie. Marie hat den Honig selbst hergestellt, sprach kein Wort Englisch und erklärte in einfachem Französisch was für Produkte sie anbietet und wofür man das Lavendelöl benutzen kann.

Wenn du keine Massenproduktionsware kaufen willst, dann Ausschau halten nach kleinen Ständen am Straßenrand. Selbstgemachte Produkte, die mit Liebe hergestellt worden sind, empfindet doch jeder als wertvoller, oder?

➳ Valensole

Mit dem Einkauf im Kofferraum schlängelten wir uns an abgeernteten Lavendelfeldern vorbei bis wir in Valensole ankamen. Das Parken auf dem Parkplatz war kostenlos. Nach der ganzen Fahrt ist man wirklich erfreut, wenn man sich die Beine vertreten kann und das taten wir auch. Wenige Stufen entfernt waren wir schon im Stadtzentrum – oder eher Dorf? Die vermeintliche Hauptstraße ist überhaupt nicht vergleichbar mit einer Berliner Hauptstraße. Es fahren kaum Autos vorbei, die Einheimischen und Besucher saßen Kaffee trinkend in den Cafés und man hatte das Gefühl, als wären alle ausgeflogen. Wie immer liefen wir drauf los, vorbei an einem hübschen Brunnen, durch kleine Gassen und nichtsahnend Richtung Kirche. Auf dem Weg nach oben – die Stadt liegt auf einem Hügel – sprach uns eine süße Omi auf Französisch an und fragte uns, ob wir zur Kirche wollen, sagte uns den Weg und freute sich, jemanden getroffen zu haben. Zum Glück hat sie nicht gemerkt, dass ich vielleicht drei Worte verstanden habe. Ich bin jedes Mal erleichtert darüber, dass mein Freund so ein kleiner Streber ist, der von seinem Schulfranzösisch anscheinend alles behalten hat – ich hatte damals Spanisch und bin echt überfordert, wenn ich auf Französisch angesprochen werden, HILFE!

In der Sommerferienzeit hat man Städte wie Valensole fast für sich allein und kann ungestört auf Erkundungstour gehen.

Wir gingen in die Kirche, wo keiner war, dann wieder zurück zum Stadtzentrum und uns ist in dieser Zeitspanne höchstens ein Mensch entgegen gekommen. Ansonsten waren wir die ganze Zeit ungestört. Das würde es in Nizza niemals geben!

Als wir ein Poster sahen, auf dem der Lavendel in voller Blüte zu sehen ist aber die Adresse fehlte, gingen wir in den Laden und fragten die nette Verkäuferin wo man diesen Ort findet. Sie schaute uns traurig an und erzählte uns, dass alles in der LETZTEN Woche abgeerntet wurde. Oh man, was für ein Pech! Wir waren einfach zu spät. 

Ein bisschen enttäuscht aber mit dem Wissen, dass man wiederkommen MUSS, machten wir uns auf den Rückweg nach Nizza. Wenn du denkst, dass wir denselben Weg zurückfahren, dann kennst du mich wohl nicht! Ich habe mir natürlich wieder etwas ausgedacht…

Wasserfall von Saut du Loup

Jetzt kommt der spannende Teil. Fährt man aus Valensole raus, trifft man auf hunderte von Lavendelfeldern, eingebettet in begrünten Bergen. Ich empfehle das Fenster zu öffnen. Obwohl die Felder alle abgeerntet waren, konnte man ihn riechen: Lavendel. Hier muss er also gewesen sein – nächstes Jahr!

➳ Lavendelfeld-Hotspot: Brunet

Entlang der wunderschönsten Landschaft, die ich bisher 2018 gesehen habe, fuhren wir durch Wolken, es regnete und die Temperatur war fast schon herbstlich. Ja, mir war kalt! Irgendwann kamen wir an am: Wasserfall von Saut du Loup. Auf dem ersten Blick sieht man nichts aber man hört es. Die Luftfeuchtigkeit lässt deine Haare an der Stirn kleben, dennoch ist dir kalt – und das, obwohl du fast wieder am Meer bist! Passiert man das Drehkreuz am Häuschen werden sie sichtbar und das Geräusch lauter. Links, rechts, oben und unten sieht man Wasserfälle.

Grün, nass und kalt – dennoch wunderschön
Mit dem Kopf in den Wolken
Fast da,…

Kleiner Abstecher zum Wasserfall? Für einen Euro kannst du dir die Wasserfälle anschauen und lernst nebenan wie das berühmte Lavendelöl gewonnen wird.

 

Gewinnung von Lavendelöl

➳ Wasserfälle Saut de Loup

Es gibt sie doch noch: Instagram-Touris

Man musste bis hierher kommen, um endlich die Begegnung mit der “Dritten Art” zu haben. Ein Pärchen lässt sich für das Instagram-Profil fotografieren und blockierte die Brücke, von der aus man die Wasserfälle besser sehen kann. Na, hoffentlich sind die Bilder was geworden. Lustigerweise war im Hintergrund kaum ein Wasserfall zu sehen. Interessant wie unterschiedlich Menschen ihren Fokus für Bilder setzen, haha!

Pizza, Sonnenuntergänge und ab nach Hause

Ein schöner Tag wie dieser hat ebenfalls nur schlappe 24 Stunden. Unser Proviant von zwei unwiderstehlichen Bananen neigte sich dem Ende zu und es ist an der Zeit etwas zu essen. Usprünglich wollten wir essen gehen, wenn wir wieder zu Hause sind. Wir waren hin und hergerissen, es war spät und der Hunger wurde größer. Wie aus dem Nichts erstrahlte ein Streetfood-Truck vor unseren Augen und wir konnten unseren Blick nicht davon abwenden: Pizza. Wie der Zufall es so will, sind wir bei einem lokalen Streetfood-Truck gelandet, der Pizza und Pasta anbietet. Es schien als wären wir die einzigen Kunden, doch wir mussten ca. 30 Minuten warten, weil andere Bestellungen Vorrang hatten. Man kann hier auch telefonisch bestellen. Wir haben uns zusammengereimt, dass die Pizzen wohl gut sein müssen, wenn viele Einheimische hier bestellen und extra mit dem Auto herfahren, um ihre heißgeliebte Pizza abzuholen.

Wir sind nicht allein

Dann passierte es: Deutsche. Schweigend sahen wir uns an und beobachteten die Situation. Würde es für alle erfüllten Klischees Punkte geben, hätte diese Gruppe junger Männer alle bekommen.

  1. Man redet lautstark in seiner eigenen Sprache und
  2. regt sich über die Preise auf (bis zu 10 Euro für eine Pizza?),
  3. diskutiert darüber wie man sparen kann und wie viel man essen will (Preis-Leistungsverhältnis),
  4. jammert rum, weil man Hunger hat,
  5. geht wieder, weil man auf seine Pizza zu lange warten müsste und bis dahin verhungert ist – regt sich darüber auf.

Vom Look möchte ich gar nicht erst anfangen – stylisch à la Ballermann.

Die Pizza war lecker und der Preis ist auch in Ordnung. Die Wartezeit muss man hinnehmen oder vorher telefonisch bestellen. Selbst HIER kann man mit Karte zahlen. In Deutschland undenkbar.

Der Himmel glüht

Gesättigt und zufrieden fuhren wir weiter und hätten am liebsten wieder aussteigen können. Grund dafür war der romantischste Sonnenuntergang seit Juli an der Ostsee. Die Sonne ging direkt in den Bergen unter. Der Himmel färbte sich Orange-Rot, die ersten Sterne waren zu sehen und hinter dir rollte die Nacht an. Ich hätte gerne ein Foto davon gemacht, jedoch wollten nicht nur wir nach Hause, es gab keine Möglichkeit zu halten und wir mussten weiter. Wenn es noch etwas gibt, das ich auf meine To-See-Liste schreiben muss, dann: Sonnenuntergang in der Provence anschauen, von Anfang bis Ende. Wow.

Kurze Zeit später waren wir in Nizza, ich plumpste ins Bett und habe geschlafen wie ein Stein – nachdem wir den halben Rosé ausgetrunken haben…

Zusammenfassung unserer Route

Ein Tag, viele Eindrücke und Erinnerungen. Hier habe ich für dich unsere Route, mit kleinen Abweichungen vom Original – ich war einfach zu sehr fasziniert von meiner Umwelt – folge einfach dem Link:

➳ Navigation Google Maps: Nizza-Lac du Sainte Croix-Valensole-Cascades Saut du Loup-Nizza

Unsere Route

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ich hoffe, ich konnte dich unterhalten, dir interessante Infos bieten und vor allem inspirieren.

In 14 Tagen gibt es wieder etwas Neues! Dieses Mal erfährst du etwas über unseren Roadtrip nach St. Tropez – bleib dran und gespannt!

Bis bald,

deine Julie 


Hast du Fragen oder Anregungen?

Dann hinterlass’ mir doch einen Kommentar oder schreib mir eine Mail an cheriexplore@gmail.com.

…Und wenn die Bahn mal wieder nicht kommt, schau auf Instagram vorbei und lass dich von mir berieseln!

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